Das sind die Gewinner des 69. IFFMH!

Die Preise des 69. IFFMH sind vergeben. Findet hier heraus, welche Filme mit welchen Auszeichnungen geehrt wurden.

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INTERNATIONALE JURY

  • Jessica Kiang, Jan Bonny, Mathilde Henrot
  • Laudatio der Internationalen Jury zu MY MEXICAN BRETZEL

    Es ist uns eine große Freude, die höchste Auszeichnung dieses Festivals einem Film zu verleihen, der für uns alle eine herrliche Überraschung war. Er zeichnet sich durch einen subtilen und zugleich spektakulären Einfallsreichtum aus, der bereits durch die merkwürdige Stille der Eröffnungsszene auffällt und sich durch den gesamten Film zieht: Es ist die Art und Weise, wie mit dem Kontrast zwischen Ton und Bild, Fakt und Fiktion sowie Text und völlige Abwesenheit von Dialog gespielt wird. Ein solches Experiment kann leicht schiefgehen und schnell wie eine kalte, intellektuelle Übung wirken, doch dieser magische Film ist auf wundersame Weise für alle zugänglich. Dabei ist er ebenso bewegend und melancholisch wie schelmisch. Die Konkurrenz im Wettbewerb ON THE RISE war beeindruckend, doch kein anderer Film schaffte es, uns so viel Freude zu bereiten wie dieser ungemein exzentrische, unterhaltsame Debütfilm, der zugleich hinterfragt, was ein Film ist und was ein Film darf. Er täuscht uns, ohne uns zu betrügen, er beeindruckt uns, ohne zu prahlen, er lügt uns an und ist doch in allen wichtigen Punkten vollkommen ehrlich. Daher entschied die Jury einstimmig, dass der mit 25.000 € dotierte International-Newcomer-Preis dem Debütfilm MY MEXICAN BRETZEL von Nuria Giménez Lorang verliehen wird.

  • Laudatio der Internationalen Jury zu SINGLE CYCLE

    Die meisten Drehbuchautoren lernen erst mit der Zeit, was dem Zuschauer gezeigt und was ihm vorenthalten werden muss. Doch dieser schöne, eindringliche und seltsame Debütfilm aus China findet mühelos die perfekte Balance. Trotz der hervorragenden Ton- und Bildgestaltung voller flüchtiger Hinweise, die kaum wahrnehmbar an der Schwelle unseres Bewusstseins verharren, entstand die kühle, kluge Neugier des Films zunächst auf dem Papier. Daher freuen wir uns, den mit 10.000 € dotierten Rainer-Werner-Fassbinder-Drehbuchpreis an Drehbuchautor und Regisseur Zhang Qi zu verleihen. Sein Debütfilm SINGLE CYCLE ist ein wundervolles Rätsel, das umso schöner wirkt, weil es unlösbar ist.

  • Laudatio der Internationalen Jury zu COME CLOSER

    Alle Filme, die wir ehren möchten, zeichnen sich durch einen ungewöhnlichen Mut aus. Dieser Mut kann sich je nach Film auf ganz unterschiedliche Weise äußern, doch keiner der Filme in diesem sehr starken Wettbewerb hat wohl so viel riskiert wie dieser. Mit einer maßlosen Intimität zeigt er die Geschichte eines Pärchens, das vom Regie-Duo selbst gespielt wird. Die beiden testen und überschreiten die Grenzen ihrer Beziehung auf eine manchmal witzige, oft chaotische, aber immer offene und ehrliche Weise. Die internationale Jury verleiht dem Film COME CLOSER unter der Regie von Saskia und Ralf Walker eine Lobende Erwähnung für seine gestalterische Furchtlosigkeit.

  • Laudatio der Internationalen Jury zu BEGINNING

    Alle Filme des Wettbewerbs ON THE RISE stammen von Nachwuchsregisseur*innen – doch es ist schwer zu glauben, dass dieses provokative und zutiefst verstörende Drama aus Georgien wirklich ein Debütfilm ist. Er zeichnet sich durch eine Präzision und formale Stilsicherheit aus, die sogar bei dem sechsten oder siebten Film noch bemerkenswert wäre, von einem Erstling ganz zu schweigen. Insbesondere wenn man bedenkt, dass dieses handwerkliche Meisterstück eine so niederschmetternde und unbequeme Geschichte erzählt. Als Zeichen der Anerkennung für dieses bedeutende Nachwuchstalent verleiht die internationale Jury dem Film BEGINNING eine Lobende Erwähnung für die kompromisslose Vision der Regisseurin Dea Kulumbegashvili.

FIPRESCI-JURY

  • Dr. Christina Stojanova, Schayan Riaz, Ernesto Diezmartínez
  • Laudatio der FIPRESCI-Jury zu MY MEXICAN BRETZEL

    Im Rahmen des diesjährigen Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg wurde eine großartige Auswahl an Filmen gezeigt, die repräsentativ, sehr ausgewogen und äußerst vielversprechend waren. Daher fiel es uns sehr schwer, unter diesen Filmen einen Gewinner auszuwählen. Letztendlich entschieden wir uns für einen Film, der auf spielerische Weise in Frage stellt, was wahr und was falsch ist, und was es bedeutet, eine Geschichte zu erzählen. Wir waren beeindruckt von der Kunstfertigkeit und dem einzigartigen filmischen Handwerk, das hinter Found-Footage-Filmen steckt. So gewährt uns der Film mithilfe von Heimvideos einen tiefen Einblick in das Privatleben von Menschen der 40er und 50er Jahre. Durch den subjektiven Stream of Consciousness konfrontiert er uns zudem auf kraftvolle Weise mit Fragen, die auch heute noch aktuell sind. Der FIPRESCI-Preis 2020 beim Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg wird deshalb dem Film MY MEXICAN BRETZEL von Nuria Giménez Lorang verliehen.

ÖKUMENISCHE JURY

  • Gergely Hajnal, Michael Kranzusch, Uta Losem, Mina Radović, Rianne Wijmenga-van Dijk
  • Laudatio der Ökumenischen Jury zu UNA PROMESSA

    Dieser Film erzählt die Geschichte eines verwitweten Vaters und seines Sohnes, die sich in Süditalien als illegale Landarbeiter durchschlagen müssen. Durch Szenen voller familiärer Wärme und Zärtlichkeit zeigt uns UNA PROMESSA mit einer sehr persönlichen Ästhetik die wahre Bedeutung von Liebe in einer Welt voller Armut, Demütigung und Tod. So ist der Film ein starkes Plädoyer für Menschenwürde und die Notwendigkeit, den Kreislauf von Ausbeutung und Gewalt zu durchbrechen. Am Ende steht der Sohn vor einem Neuanfang und so entlässt uns der Film trotz allem mit einem Funken Hoffnung.

  • Laudatio der Ökumenischen Jury zu THE SLAUGHTERHOUSE

    THE SLAUGHTERHOUSE erzählt die Geschichte von drei Männern, die Leichen im Kühlraum ihrer Schlachterei finden und entscheiden, dies zu vertuschen. Obwohl dieser Film ein Krimi mit einer schonungslosen visuellen Palette ist, bildet nicht ein externer Konflikt mit den Behörden, sondern eine innere moralische Krise das Herzstück der Erzählung. Der Film wirft die Frage auf, ob wir unsere Menschlichkeit auch unter unmenschlichen Umständen bewahren können und enthält somit eine universelle Botschaft, die weit über die Grenzen des Irans hinaus Widerhall findet.

JUNGE JURY

  • Sabrina Mertens, Nico Hagel, Ruth Lang Fuentes
  • Laudatio der Jungen Jury zu LORELEI

    In ihrem Debüt überzeugt die Regisseurin und Drehbuchautorin mit ausdrucksstarken Bildern, einer vielschichtigen Handlung und einer eindringlichen Darstellung gesellschaftlicher Probleme mit viel Liebe zum Detail. Die Kombination aus Gesellschaftskritik und Liebesgeschichte wird durch eine humorvolle und emotionale Note unterstrichen. Der gesamte Cast besticht durch eine starke schauspielerische Leistung, wobei wir hierbei besonders die drei jungen Newcomer hervorheben möchten.

    In den lebensnahen und abwechslungsreichen Sequenzen, die den Kampf der neu gegründeten Familie gegen die Hoffnungslosigkeit und die Herausforderungen des Alltags schildern, erleben wir gut geschriebene Szenen, die es uns ermöglichen, in die Konflikte und das Innenleben der Charaktere einzutauchen.

    Das Setdesign ist durchgehend glaubwürdig und die vielfältigen Schauplätze sind sorgfältig gewählt. Es ist faszinierend, sie zu erkunden. Die Regisseurin nutzt die Möglichkeiten des Mediums Film, um phantastische und realistische (Bild-)Welten auf inspirierende Weise zu verbinden. Die wesentliche Geschichte wird durch eher beiläufig erzählte Aspekte wie die Vorliebe des kleinen Jungen für Mädchenkleidung bereichert und intensiviert. Alles in allem ist der Film ein beeindruckendes Debüt, in dem es viel zu entdecken gibt.

    Der mit 5.000 € dotierte Preis der Jungen Jury des 69. Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg geht an den Film LORELEI von Sabrina Doyle.

  • Laudatio der Jungen Jury zu SHITHOUSE

    Wir möchten einen besonderen Film mit einer Lobenden Erwähnung auszeichnen, der von der Jungen Jury mit Begeisterung aufgenommen wurde. Der Film beeindruckte durch seine direkten und authentischen Dialoge und sein gekonntes und bewusstes Spiel mit den Konventionen seines Genres. SHITHOUSE ist ein sehr ehrlicher und menschlicher Film mit großartigen Ideen, starkem Schauspiel und liebenswertem Humor, ohne die Schwächeren lächerlich zu machen, wie es oft in anderen Filmen desselben Genres geschieht. Die Leistung des erst 23-jährigen Cooper Raiff als Drehbuchautor, Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller zur gleichen Zeit ist höchst bemerkenswert. Unsere Lobende Erwähnung geht an den Film SHITHOUSE.

PUBLIKUM

*Die Namensformen „Fassbinder“, „Rainer Werner Fassbinder“ und „RWF“ (als Wort und Bildmarke) sind registrierte Marken der Rainer Werner Fassbinder Foundation, Berlin.