Erste Filme der Hauptsektionen

Eröffnungsfilm und Deutschlandpremiere: The Death of Cinema and My Father Too; neue Filme von Frederick Wiseman und Lav Diaz.

The Death of Cinema and My Father Too | © Films Boutique

Das 69. Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg (IFFMH) präsentiert die ersten Filme der Hauptsektionen.

Das Spielfilmdebüt von Ausnahmetalent Dani Rosenberg The Death of Cinema and My Father Too eröffnet die 69. Ausgabe des IFFMH. Rosenbergs Vater ist der Held unzähliger liebevoll produzierter gemeinsamer Amateurfilme. Als sie das erste große professionelle Projekt drehen wollen, steht Dani kurz vor der Geburt des eigenen Kindes und sein Vater am Ende einer tödlichen Krankheit. Rosenberg filmt seinen Vater ein letztes Mal, diesmal dokumentarisch. Gleichzeitig dreht er eine Fiktion des gemeinsamen Abschieds – und eine Fantasie des ursprünglich geplanten Projekts. Die drei Ebenen fließen ineinander über zu einem so ungewöhnlichen wie persönlichen Kinoerlebnis. The Death of Cinema and My Father Too war in der offiziellen Auswahl der Internationalen Filmfestspiele von Cannes 2020.

In dem einfühlsamen Debüt Asia von Ruthy Pribar ist die Konstellation spiegelverkehrt: Asia (Alena Yiv) sieht sich dem nahenden Tod der Tochter (Shira Haas) ausgesetzt. Beide ringen gemeinsam um Würde. Asia feierte seine Weltpremiere auf dem Tribeca Film Festival 2020. Shira Haas erlangte zwischenzeitig internationale Bekanntheit mit der jüngst Emmy-ausgezeichneten Serie Unorthodox.

Als Weltpremiere zeigt das IFFMH den so originellen wie eigenständigen Come Closer. Das Regieduo Saskia und Ralf Walker (Co-Regie: Sebastian Fremder) präsentiert ein faszinierendes Stück anarchisches Kino: Freie Liebe in einem freien Film, erfüllt von Neugierde auf andere Menschen, eine andere Körperlichkeit und ein anderes Denken.

Gold for Dogs ist das eindrucksvolle Debüt von Anna Cazenave Cambet über eine faszinierende junge Frau, die traumwandlerisch der Liebe wegen einen nicht für möglich gehaltenen Weg einschlägt. In Cannes von der Semaine de la Critique ausgewählt, entwickelt der Film durch seine Farben und Beleuchtung eine faszinierende Tiefenstruktur. Immer im Zentrum: die beeindruckende Hauptdarstellerin Tallulah Cassavetti in ihrem ersten Film.

Regisseur Chaitanya Tamhane taucht in seinem zweiten Spielfilm The Disciple tief in die Tradition indischen Gesangs ein und zelebriert das Leben als langsame Bewusstwerdung unterschiedlicher Perspektiven: auf sich selbst, auf das Umfeld und auf die Tradition. Erzählt mit epischen Mitteln und großartigen Momentaufnahmen. Bei den Filmfestspielen von Venedig wurde The Disciple für das beste Drehbuch ausgezeichnet.

Als Special freut sich das IFFMH über die Rückkehr eines alten Bekannten: Nachdem Dokumentarfilm-Legende Frederick Wiseman Ende der 1960er Jahre seine ersten Filme in Mannheim vorstellte und zuletzt 2014 mit National Gallery vertreten war, ist er nun mit City Hall zum 6. Mal Teil des Festivals. Wiseman durchleuchtet in seinem neuesten Werk die Verwaltung von Boston und schenkt Hoffnung für die Demokratie in den USA.

Die Sektion PUSHING THE BOUNDARIES ergänzt den Wettbewerb und zeigt das Neue im Etablierten.

In Genus, Pan, dem neuen Film von Lav Diaz, treffen Geldgier, Not und Gerechtigkeit in umwerfend gefilmter Natur aufeinander: Motive philippinischer Mythen und biblischer Gleichnisse verschmelzen zu einem Epos. Diaz ist wie eh und je ein Meister der Komposition von Schwarz-Weiß-Tableaus. Große menschliche Dramen macht er in aller Langsamkeit erfahrbar. Ihr Sog nimmt stetig zu und schenkt sogar Lebensmut.

Die Filme im Überblick:

Asia
Israel, 2020, 85 min
R: Ruthy Pribar
© Intramovies

City Hall
USA, 2020, 272 min
R: Frederick Wiseman
© Zipporah Films

Genus, Pan (Lahi, Hayop)
Philippinen, 2020, 157 min
R: Lav Diaz
© Sine Olivia Pilipinas

Gold for Dogs (De l'or pour les chiens)
Frankreich, 2020, 99 min
R: Anne Cazenave Cambet
© WTFilms

The Death of Cinema and My Father Too (Moto shel hakolnoa veshel aba sheli gum)
Israel, 2020, 100 min
R: Dani Rosenberg
© Films Boutique

The Disciple
Indien, 2020, 130 min
R: Chaitanya Tamhane
© New Europe Film Sales

Come Closer (Der Siebzehnte)
Deutschland, 2020, 75 min
R: Saskia Walker & Ralf Walker
© déjà vu film