Die Preisträger des 68. Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg

„Ich war schon bei vielen Filmfestivals, aber hier wartet das Publikum auf dieses Festival wie auf Weihnachten. Das ist für sie der „Event of the Year“! Preisträger Jiri Madl, Regisseur von „On The Roof“

 

Die Preisträger des 68. Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg

Mannheim/Heidelberg, 23. November 2019 – Das Publikum hat entschieden! Denn in der letzten Ausgabe des Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg unter der Leitung von Dr. Michael Kötz vergibt es Publikum den “Grand Newcomer Award”, den „Talent Award“ und den „Special Award“. Zudem vergeben traditionell die Fipresci-Jury und die Ökumenische Jury ihre Preise, die Kinobetreiber sprechen „Empfehlungen“ aus.

 

Der “Grand Newcomer Award Mannheim-Heidelberg” 2019 geht ex aequo an
THE GRIZZLIES von Miranda de Pencier, Kanada
ON THE ROOF von Jiri Madl, Tschechien

 

Dr. Michael Kötz, Monika Kristl (Produzentin), Ministerin Theresia Bauer, Jiří Mádl (Regie, Buch) & Zuschauerin, die den Preis auf der Bühne verkündet hat

 

 

Der „Talent Award of Mannheim-Heidelberg“ 2019 geht an
UNDER THE TURQUOISE SKY von Kentaro, Japan,/Mongolei/Frankreich/USA


Die Zuschauerin, die den Preis verkündet hat, Dr. Michael Kötz, KENTARO (Regisseur), Dr. Peter Kurz,
Yuya Yagira (Schauspieler), Kazz Kitaki (Produzent), Masanori Yamamoto (Executive Producer) & Tsuyoshi Chino (Executive Producer)

Der „Special Mannheim-Heidelberg“ 2019 geht an
END OF SENTENCE von Elfar Adalsteins, Island/Irland/USA

DER PREIS DER ÖKUMENISCHEN JURY
vergeben durch die Ökumenischen Jury – Lothar Strüber (Vorsitz/Deutschland), Alexander Bothe (Deutschland), Dr. Guido Convents (Belgien), Arielle Domon (Frankreich) und Mirko Klein (Deutschland) – an
RONA, AZIM‘S MOTHER directed by Jamshid Mahmoudi

Der Ort des Stoffwechsels der Stadt, die Arbeit in ihrer lebensnotwendigen Kanalisation, sichert Azim und seiner Familie das Überleben als Afghanen im Iran. Azims eine Leidensfähigkeit scheint unerschöpflich. Doch der Kollaps des Stoffwechsel seiner Mutter, der ihr Leben gefährdet und zu dessen einzigem Ausweg seine Nierenspende wird, wird zum Kollaps seiner Kraft – und seines Wertesystems. Tradition und Gebot, Gewissen und Überlebensnotwendigkeit, Mutterliebe und Familienernährung, Rechtelosigkeit und Pflichtgefühl, Flucht, Patriarchale Alleinentscheidungen, Nationalismus und Religion kollidieren im Stoffwechsel der iranischen Theokratie. Doch das Recht auf die Sehnsucht nach Leben und Überleben sind heilig. Dieser Film berührt, weil Azim auch mitten unter uns ist, mitten in unserer Gesellschaft und mitten in jedem von uns. Wie lebst Du mit dem Tod, wann endet das Leben, wie weit gehst Du für den und für das, wer und was Dir heilig ist? Der Weg zum Ende des Lebens ist nur gangbar, wenn wir einander in Liebe festhalten, um aus Liebe loszulassen.

In the city’s metabolism, work in the essential sewer system provides a basic lively hood for Afghani Azim and his family in Iran. Azim’s capacity to bear suffering seems boundless. What finally breaks his strength and resolve, as well as his set of values, is the collapse of his mother’s metabolism, a life-threatening failure that can only be treated with a kidney transplant by donation. Traditions and laws, conscience and the need to survive, love of one’s mother, feeding the family, living without rights but with a sense of duty, flight, patriarchal decision making, nationalism and religion collide with Iranian theocracy. The right to pursue life and survival are nonetheless sacrosanct. The film moves us because Azim is amongst us, in our society, within each of us. How do you live with death, when does life end, how far are you willing to go for what and who is holy to you? The path to the end of life can only be taken, when we hold on to one another in love and let each other go in love.

Der Preis der Ökumenischen Jury des 68. Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg geht an „Rona, Azim´s Mother“ von Jamshid Mahmoudi.

Dr. Michael Kötz, Mirko Klein (Jury), Gönül Dönmez-Colin (nimmt stellvertretend den Preis entgegen), Dr. Guido Convents (Jury), Lothar Strüber (Jury), Alexander Bothe (Jury) & Arielle Domon (Jury)

Lobende Erwähnung:

Der Film spielt bei den kanadischen Innuit, deren Angehörige durch die Generationen noch immer traumatisiert sind von den erzwungenen Assimilierungen der Vergangenheit. Es ist die auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte eines Nicht-Innuit, eines weißen Lehrers voller Illusionen, dessen theoretisches Lehrerethos konfrontiert wird mit der hohen Anzahl der Selbstmorde besonders der jungen Innuit. Alles ändert sich in seiner Klasse, als er außerhalb der Lehrpläne Lacrosse etabliert, einen Sport, der in alten Zeiten die Konflikte zwischen Indianerstämmen regelte. Mit ihm und den Werten dieses Sport finden die Schüler aus sich selbst heraus zum Respekt vor dem Eigentlichen der tradierten Werte der Familie und der Gemeinschaft.

The film takes place amongst the Inuit, who across generations are still traumatized by the forced assimilations of the past. This is a story based on actual events, of a non-Inuit, a white teacher who is full of illusions, and whose theoretical teaching ethos is confronted with the unusually high number of suicides amongst young Inuits in particular. Everything in his classroom changes as he introduces Lacrosse as part of the curriculum, a sport that historically helped settle differences between Native American tribes. With this change and through the values of the sport, pupils are able to find a way out for themselves, towards respect for the essentials in their traditional values of family and community.

Eine lobende Erwähnung der Ökumenischen Jury des 68. Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg geht an „THE GRIZZLIES“ von Miranda de Pencier.

DER INTERNATIONALE FILMKRITIKER PREIS
vergeben durch die FIPRESCI-Jury – Robert Horton (USA), Alexandra Porshneva (Kasastan) und Marc Hairapetian (Deutschland) – an einen Film aus dem Wettbewerb.

“UNDER THE TURQUOISE SKY” von KENTARO

Das ist der unter cineastischen Aspekten selbstbewussteste Film, den wir hier sahen. Der japanische Regisseur Kentaro kreiert spielerisch einen Mix der unterschiedlichsten Genres, der alle filmischen Aspekte wie Bildgestaltung, das Erzählen der Geschichte, die Schauspielerei, die Musik und das spektakuläre Sounddesign umfasst. Der Film ist zwar äußerlich in die mongolische Landschaft eingebunden, beleuchtet aber universale Themen, so die menschliche Interaktion und die Rückkehr zu den Wurzeln.

This is the most cinematically confident film we saw here. The Japanese director Kentaro creates a mix of genres, displaying a commend of all the aspects of cinematography, story, acting, music and the spectacular sound design. The film is specific to its Mongolian setting, but it illuminates the universal issues of connection and return to roots.

 

Dr. Michael Kötz, Robert Horton (Jury), Marc Hairapetian (Jury), Alexandra Porshneva, Kazz Kitaki (Produzent), KENTARO (Regisseur), Masanori Yamamoto (Executive Producer), Yuya Yagira (Schauspieler) & Tsuyoshi Chino (Executive Producer)

EMPFEHLUNG DER KINOBETREIBER
für einen Film aus dem Wettbewerb, welcher in den deutschen Kinos veröffentlicht werden sollte. In der Jury 2019 sind: Elke Hoffmann, Zoom Kino Brühl, Werner Hoffmann, Zoom Kino Brühl, Lina Winkler, Kinowelt Diessen am Ammersee, Steffen Jurk, Kino im Dach Dresden, und Melanie Hoffmann, Kinokult e.V. Ludwigsburg

THE GRIZZLIES von Miranda de Pencier, Kanada

Weiter nördlich geht’s nicht mehr. Um Jugendliche aus der Perspektivlosigkeit zu holen, werden hier ungewöhnliche Antworten gefunden: Ein starkes Team, Selbstbewusstsein und Spaß ohne abstumpfenden Alkohol. Vom ersten Filmmoment an lassen uns die Grizzlies durch ergreifende Szenen, starke Charaktere, temporeichen Soundtrack und elegante Kinematographie voller Empathie mitfiebern mit dem ersten Inuit-Lacrosseteam.

You can’t get much further North. To help adolescents overcome their lack of perspective unusual answers are searched for: A strong team, self-confidence and fun without the dulling effects of alcohol. From the film’s opening moments, the Grizzlies – the first Inuit Lacrosse team– manage to enthral us and command our empathy, through moving scenes, strong characters, a fast soundtrack and elegant cinematography.

ON THE ROOF von Jiri Madl, Tschechien

Hat ein Illegaler wirklich eine Chance, sich in einem fremden Land einzugliedern? In diesem Film ja, mit Hilfe eines emeritierten Professors der alten Schule, der auch vor ungewöhnlichen, pragmatischen Maßnahmen nicht zurückschreckt. Mit viel Humor und einer großen Portion Menschlichkeit erzählt der tschechische Regisseur des Films „On the Roof“ seine Geschichte der Völkerverständigung.

Does an illegal immigrant ever stand a real chance of integration in a foreign country? In this film: yes – with the help of a retired old-school professor who does not shy away from using unconventionally pragmatic measures. With a lot of humour and a generous portion of humanity, the Czech director of “On the Roof” narrates his own version of international communication and understanding.

GOOD MORNING SON von Sharon Bar Ziv, Israel

Eine Familie muss auf kleinstem Raum gemeinsam einen schweren Schicksalsschlag verarbeiten. Da können Kleinigkeiten die Welt bedeuten, wie das Öffnen der Augen, wenn der Sohn langsam erwacht. Meisterhaft versteht es Sharon Bar Ziv in seinem Kammerspiel „Good Morning Son“ das Leben als Spiegel der Gesellschaft mit all seinen Konflikten, aber auch den heiteren Momenten für den Zuschauer im wahrsten Sinne des Wortes spürbar zu machen.

A family living in a minimal space has to overcome a heavy blow dealt by faith. The smallest details can make all the difference, like witnessing the opening of the son’s eyes as he slowly wakes. In this chamber piece “Good Morning Son” Sharon Bar Ziv masterfully manages to allow us to perceive life in a mirror of society with all its conflicts, but also to truly feel it in its cheerful moments.

Das 69. Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg ist für den 12. – 22. November 2020 geplant und findet unter neuer Leitung mit neuem Team statt. Das bisherige Team sagt Danke für die gemeinsame Zeit und verabschiedet sich aus Mannheim-Heidelberg und freut sich auf ein mögliches Wiedersehen — da oder dort.