67. Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg

15. — 25. November 2018

Direktor
Dr. Michael Kötz (Künstlerischer & Kaufmännischer Direktor)

Programm-Management       
Daniela Kötz

Direktionsassistenz
Katrin Wild

Organisationsleitung
Klaus-Matthias Wichmann, Adriana Alder

Öffentlichkeitsarbeit
Teresa Kloos, Felix Neunzerling

Mannheim Meeting Place     
Julek Kedzierski

Filmauswahl
Dr. Josef Schnelle, Rüdiger Suchsland, Stefan Uhrik,
Hana Cielova, Daniela Kötz, Dr. Michael Kötz
Rolf-Rüdiger Hamacher (Kinderfilme)

MitarbeiterInnen
Klaus Gronenborn, Anna Bell, Rieke Bubert, David Ehrlich, Miroslav Babic,
Luke Walter, Sabine Welter, Bernd Rohs, Julia Teichmann

Spielorte                    
Mannheim: Festival im Stadthaus, Kino Atlantis
Heidelberg: Kinozelte auf dem Messplatz

Besucherzahl
54.000 / 600 Akkreditierte Gäste

Träger & Förderer     
Stadt Mannheim, Stadt Heidelberg, Land Baden-Württemberg, BKM

Gesamtetat
1.250.000 €

Im Programmheft des Festivals erscheint dieser Text:

 

Filmfestivals heute

Eine Bestandsaufnahme – auch für „Mannheim-Heidelberg“

von Dr. Michael Kötz

 

 

Lang ist es her

Wer vor 50 Jahren die neuesten Filme sehen wollte, „Odyssee im Weltraum“, „Spiel mir das Lied vom Tod“, „Zur Sache Schätzchen“ oder „Winnetou“, der musste ins Kino gehen. Im Fernsehen kamen sie erst Jahre später und eine dritte Möglichkeit gab es nicht. Damit hatten auch die Filmfestivals eine einzigartige Bedeutung. Sie waren der Ort, an dem nagelneue Filmwerke das erste Mal das Licht der Leinwand erblickten und taxiert wurden. Sie wurden von der Filmkritik in ihrem künstlerischen Wert erfasst, denn seit den 60er Jahren galten Filme ja als Kunstwerke und nicht mehr nur als Unterhaltungsmaßnahmen. Dieses Taxieren durch die Presse hatte dann auch den schönen Nebeneffekt der Wertbildung fürs Geschäft. Nach der Premiere entschied der Produzent, welchem Filmverleiher er den Film in welchem Land zur Auswertung im Kino gibt und zu welchem Preis. Wenn dann ein neuer Film möglichst bald in die Kinos kam, konnte er noch wunderbar von der kostenlosen Werbung profitieren, die die Berichterstattung vom Filmfestival vor kurzem geschaffen hatte. Wobei ich da von den Festivals in Cannes spreche, Venedig, Berlin, Moskau, Karlsbad, Locarno, San Sebastian, Goa und Mar del Plata. Das waren sie, die großen internationalen Filmfestivals damals. Es gab noch eine Handvoll weiterer in der Welt, die spezialisiert waren, beispielsweise in Deutschland: Oberhausen für Kurzfilme, Lübeck mit den Nordischen Filmtagen, Leipzig für Dokumentarfilme – und es gab das Festival von Mannheim schon. Seit 1952 nämlich, womit es das siebtälteste Filmfestival der Welt ist.

 

 

Und heute ist alles anders

Heute gibt es weltweit ein paar Tausend Filmfestivals, allein in Deutschland sind es über 100. Die explosionsartige Vermehrung der Filmfestivals, vor allem in allen wohlhabenden Ländern, ist ein sehr merkwürdiges Phänomen. Denn gleichzeitig geht ja der alltägliche Kinobesuch Jahr um Jahr zurück: bei den Jugendlichen, weil sie vermehrt vor dem Bildschirm Filme und Serien schauen, bei den klassischen Besuchern des Arthouse Kinos, die man früher Programmkinos nannte, weil sie es nicht mehr so attraktiv finden, in „ihr“ Kino zu gehen. Es gibt einen einfachen Grund dafür: man braucht das Kino nicht mehr, wenn man neue Filme sehen will, sie sind nicht nur im Fernsehen jetzt fast ohne Zeitverzögerung zu sehen, sie sind vor allem auch mühelos sofort im Netz verfügbar. (Wie man sich an dieses Wort gewöhnt hat, ohne es mit einem zum Fischefangen zu verwechseln!) Jeder Versuch, das Angebot an neuesten Filmen sozusagen künstlich zu verknappen, damit die Menschen weiterhin ins Kino kommen, ist zum Scheitern verurteilt. Die Kinos müssen sich etwas einfallen lassen, das sie attraktiv macht auch unabhängig vom Neuigkeitswert der Filme. Die vielen Filmfestivals machen es ihnen vor, auf dieses Festival oder auch beispielsweise das in Ludwigshafen am Rhein strömen die Menschen ja geradezu. Sie strömen für ein fast kultisches Ritual: sie feiern die Welt des Films, begrüßen deren Heldinnen und Helden, die Schauspieler, diskutieren die Kunst mit den Künstlern, vor allem aber genießt man die Gemeinsamkeit im großen Kinosaal, das Zusammenkommen in Zeiten zunehmender Vereinsamung durch das Internet, genießt es, dass man gemeinsam durch ein einziges großes Fenster hinaus oder hinein in die Welt sehen kann, begeistert und betroffen von dem, was man gemeinsam erleben kann.

 

 

 

Das berühmte Alleinstellungsmerkmal

Wenn man nicht zu den großen fünf Festivals der Welt gehört, (zu denen alle reisen, weil dort alle hinreisen), dann bedarf es einer klaren Spezialisierung, um im großen Meer der vielen Tausend Filmfestivals weltweit zumindest sichtbar oben mitzuschwimmen. Es bedarf eines ganz besonderen Grundes dafür, dass jemand ausgerechnet diesem Festival die Premiere seines neuesten Filmes gibt und dass jemand als vielbeschäftigter Profi ausgerechnet auf dieses Filmfestival zu reisen bereit ist. Im Falle des Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg ist dies seit Jahren die Spezialisierung auf Newcomer, auf erste Werke neuer hochbegabter KinokünstlerInnen, die weltweit recherchiert und intensiv ausgewählt werden, bis man sicher sein kann, ein wirklich hochkarätiges Programm neuer Filme vorzufinden. Vor fast 30 Jahren ist die Entscheidung gefallen, diese Zuspitzung des Profils zu riskieren. Seit dem gibt es beim Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg „Newcomers only“ – so konsequent, das selbst der Eröffnungsfilm ein Debütfilm ist. Damit verbunden ist der nahezu vollständige Verzicht auf große Namen, ob Regie oder SchauspielerInnen (die ja fast nie in Erstlingsfilmen auftauchen). Aber es hat dazu geführt, dass „Mannheim-Heidelberg“ weltweit in der Filmbranche für dieses „Newcomers only“ steht. Und noch etwas ist passiert, das nicht weniger erstaunlich und ohne Beispiel anderswo ist: das lokale Publikum kommt in Scharen in diese völlig unbekannten und namenlosen Filmwerke – und zwar mit 1.000 Zuschauern im Durchschnitt pro Film. Ein echter Erfolg der Vertrauensbildung durch ein geduldiges und konsequentes Kuratieren. Und ein Alleinstellungsmerkmal, das dazu passt, das immerhin siebtälteste Filmfestival der Welt zu sein.

 

Riskante Verhältnisse

Aber es ist schwer geworden, dieses Alleinstellungsmerkmal des Festivals von Mannheim-Heidelberg aufrecht zu erhalten, denn auch die ganz großen Filmfestivals wie Cannes haben heute keine Vorbehalte mehr dagegen, neben den namhaften Kinokünstlern auch erste Filmwerke von NachwuchsregisseurInnen zu präsentieren. Ergänzt wird die schwierige Lage von einem allgemeinen Strukturwandel in der Medienbranche, der auch die Filmfestivals erfasst hat. Festivals sind grundsätzlich nicht mehr die einzigen, die neue Filme präsentieren und die Internetkommunikation hat längst dafür gesorgt, dass niemand mehr sich einbilden kann, eine Art Geheimwissen über neue Filmtalente zu haben. Was Qualität hat, wird von allen gleichzeitig erkannt und das alte „Wer zuerst kommt, hat den Zugriff“, wenn es um die Suche nach neuen Qualitätsfilmen geht, ist passé. Da nützt manchmal der beste Ruf nichts, wenn es woanders viel mehr Geld zu holen gibt. Die Neugründung des Filmfestivals von Zürich ist ein Musterbeispiel, wie eine fachlich wenig bedeutende Veranstaltung dank enormer Summen zu höheren Weihen der Aufmerksamkeit aufsteigen kann, für die es inhaltlich gar keinen Grund gibt. Aber die wichtigen Entscheidungen werden nur noch sehr selten von den Regisseuren und Regisseurinnen und den AutorInnen getroffen, sondern immer mehr von denen, die das Geschäftliche regeln: den Ankauf und Verkauf fürs Fernsehen, Internet und Kino. Wer da nicht mitspielen kann, weil der Etat des Festivals viel zu klein ist für diese Welt, wie in unserem Fall, der gerät in Schwierigkeiten.

 

 

Zukunftsmusik

Das Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg müsste so bald wie möglich einen um mehrere Hunderttausend Euro erhöhten Etat zur Verfügung haben, um auch in Zukunft seine Position als professionelles Premierenfestival halten zu können. Es müsste einen hohen Geldpreis bieten können, ausreichend Gelder für eine professionelle Werbung haben, sich eine Dotierung von Ehrenpreisen leisten können, Geldmittel zur Ausrichtung potenter Fachkongresse mit einer großzügigen Einladungspolitik zur Verfügung haben und vieles andere mehr. Auch wenn es vor Jahren gelang, dem Festival durch die Ausweitung auf Heidelberg und den besseren Einstieg der Landesregierung einen halbwegs professionellen Etat zu geben, so ist der doch de facto immer kleiner geworden, weil er gleich blieb und wichtige Maßnahmen zu Stärkung der Position nicht möglich waren. Das hat auch damit zu tun, dass die beiden Städte Mannheim und Heidelberg keine Filmstädte sind, dass es hier nie eine Lobby für den Film gab wie anderswo, weil hier keine Filmproduzenten, Verleiher, Förderer leben, die die Forderungen der Festivalleitung nach einer rechtzeitigen Aufstockung des Etats für die Konkurrenzfähigkeit wirkungsvoll unterstützt hätten. So musste von der Substanz der Erfahrungen und Beziehungen gelebt werden. Für die Zukunft gäbe es natürlich alternativ auch die Möglichkeit, das bisherige Merkmal des Festivals ganz aufzugeben und künftig das zu tun, was Jahrzehnte lang nicht gemacht wurde und den Festivaldirektor von Warschau, Stefan Laudyn, dereinst bewundernd über seinen Kollegen in Mannheim sagen ließ „He does not copy other festivals“. Womit er gemeint hat, dass das ansonsten weit verbreitete Nachspielen spektakulärer Premieren anderer großer Festivals in Mannheim-Heidelberg eben nicht geschah. Genau dies könnte man jetzt tun und das Programm mit den Highlights von Cannes oder Venedig schmücken, dazu zwei Hollywoodstars einladen und die bisher exklusiv präsentierten Newcomerfilme - so wie es anderswo zumeist üblich ist - für ein spezielles Publikum in die kleineren Kinos stecken. Das hieße, das Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg würde ein neues Kapitel seiner Geschichte beginnen, würde sein Verschwinden im Meer der Tausenden von Filmfestivals weltweit einfach akzeptieren und die bisherige Geschichte eben die bisherige Geschichte sein lassen. Das jedenfalls wäre mit dem vorhandenen Budget machbar. Eine wichtige Entscheidung.

67. Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg

15. — 25. November 2018

Nach 11 Tagen endete das 67. Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg — eine intensive, filmische Reise in ferne Länder geht damit zu Ende.

„Wenn ich während des Festivals die langen Schlangen der wartenden Kinobesucher in Mannheim und Heidelbergsehe und im Gespräch mit dem Publikum die Begeisterung für Geschichten aus fremden Ländern spüre, stelle ich ein unglaubliches Interesse am gemeinsamen Kinoerlebnis fest“, so Festivaldirektor Dr. Michael Kötz. Die Menschen habengroßes Interesse an gut erzählten Geschichten und lassen sich gerne für die Länge eines Films in fremde Welten entführen. Natürlich spielt auch die Art der Kuratierung eine Rolle. „Unserer Auswahl liegen die Grundwerte des Humanismuszu Grunde. Damit gewinnt und erhält man sich das Vertrauen des reflektierenden Publikums.“

Das Festival präsentierte  vom 15. – 25.November 2018 insgesamt 55 Produktionen, darunter 15 Filme im Programm „International Newcomer Competition“, 27 Filme in der Reihe „International Discoveries“, 4 Filme liefen  als „Special“ und 9 Filme im Kinderfilmfest.

2018 begrüßte das Festival über 300 internationale Gäste, darunter Schauspieler, Regisseure und Produzenten aus aller Welt. Insgesamt fanden 277 Filmvorführungen statt, in 123 Filmtalks diskutierten die Filmemacher nach den Vorführungen mit dem Publikum im Mannheimer Stadthaus und in der Kinozeltstadt auf dem Messplatz in Heidelberg. Mit knapp über 40.000 verkauften Tickets und – einschließlich der Fachbesucher – hochgerechnet ca. 50.000 Filmbesuchen insgesamt, gleichermaßen verteilt auf die Standorte Mannheim und Heidelberg, hat das Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg sein Standing als drittgrößtes Filmfestival Deutschlands mit internationalem Programm behauptet – und das mit ausschließlich Werken unbekannter Newcomer. Es ist damit ein unverzichtbares, kulturelles Highlight in Mannheim und Heidelberg, fest im Kalender der Bürgerinnen und Bürger der Metropolregion etabliert.

Impressionen

des 67. Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg

Fotos: Sebastian Weindel  |  www.sebastian-weindel.de

Die Preisträger

des 67. Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg

Die Internationale Jury des 67. Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg

Liane Jessen, Michel Demopoulos und María Monserrat Sánchez Soler

vergibt den

GRAND NEWCOMER AWARD MANNHEIM-HEIDELBERG

Hauptpreis von Mannheim-Heidelberg für den besten Spielfilm geht an

Orange Days von Arash Lahooti / Iran

Das Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg hat dieses Jahr besondere Frauenfiguren in den Fokus gerückt. Viele dieser Charaktere sind keine klassischen Heldinnen, die eine Heldenreise bestimmen, avancieren und bestehen, sondern sind Heldinnen des Alltags, die ihr Überleben unter widrigen Umständen meistern. Ob Alter, Armut, nicht gelungene Beziehungen oder eine Gesellschaft, die gegen Frauen eingestellt ist, diese Filme beschreiben einen begeisterten Widerstand gegen diese Umstände. Unser Grand Newcomer Award Mannheim-Heidelberg gilt einem Film, in dem eine Frau – nicht jung, nicht schön, nicht freundlich – mit all ihrer Kraft versucht, ihr Leben zu leben – und dies in einem Land, in dem dies Frauen nicht ohne weiteres gestattet ist. Der Realismus dieses Films zeigt uns eine Welt, in der weibliche Träume keinen Platz haben, sondern nur der Kampf gegen das System Möglichkeitsräume für Frauen eröffnet. In diesem Sinn ist dieser Film mit seiner unvergleichlichen Hauptdarstellerin Hadieh Tehrani der Gewinner des diesjährigen Grand Newcomer Awards Mannheim-Heidelberg: „Orange Days“.

The International Filmfestival Mannheim-Heidelberg focused on extraordinary female figures this year. Many of these characters are not classic heroes who set out on a hero’s journey, advance and succeed – no, they are everyday heroes, mastering survival under the most difficult of circumstances. Age, poverty, failed relationships or a society that is organized against women, these films illustrate inspiring resistance against these circumstances. Our Grand Newcomer Award Mannheim-Heidelberg goes to a film in which a woman – not young, not beautiful, not friendly – tries with all her might to change her life – in a country in which woman are not necessarily allowed to do so. The realism of this film shows us a world in which the dreams of women have no place – but instead only by fighting against the system can possibilities be opened for women. In this light, this film with its outstanding leading lady Hadieh Tehrani, is the winner of this year’s Grand Newcomer Award Mannheim-Heidelberg: “Orange Days“.

TALENT AWARD MANNHEIM-HEIDELBERG

für den besten unkonventionell erzählten Spielfilm geht an

“The Fireflies Are Gone” von Sébastien Pilote / Kanada

Der Talent Award Mannheim-Heidelberg geht an einen unkonventionell erzählten Spielfilm. Unter „unkonventionell erzählt“ sollten nicht nur schwierige Arthouse-Dramaturgien fallen, die ihre Geschichte verrätselt erzählen, sondern auch solche, die „the good old story“ anders erzählen. Dieses Jahr fiel die Wahl auf einen Film, der seine ungewöhnliche Narration an einem sehr normalen Gegenstand bezieht – die romantische Liebe zwischen Mann und Frau. Der Film vermeidet diese Möglichkeit, stattdessen erzählt er sehr elegant die Möglichkeiten und Tiefen einer Freundschaft zwischen Mann und Frau. Dies zu zeigen, macht den Film außerordentlich in der Bewältigung seines Coming of Age. Der Talent Award geht dieses Jahr an “The Fireflies Are Gone“ von Sébastien Pilote.

The Talent Award Mannheim-Heidelberg goes to an unconventionally told film. By „ unconventionally told “ we don’t simply mean difficult Arthouse dramaturgy, which tells the story in an enigmatic manner, but instead also tells “the good old story” in a different way. This year we have chosen a film whose unusual narrative describes a very normal thing – the romantic love between a man and a woman. This film sidesteps this opportunity, instead it speaks elegantly of the opportunities and downs of a friendship between a man and a woman. Showing this makes the film exceptional in the way it masters a coming of age. This year’s Talent Award goes to “The Fireflies Are Gone“ by Sébastien Pilote.

 

SPECIAL JURY AWARD MANNHEIM-HEIDELBERG

für eine außergewöhnliche Leistung

Christian Malheiros in “Socrates“ / Brasilien

Eine Jury sieht viele Filme. Wenn unter diesen Eins bleibt, das man nicht vergisst, ist es meist ein Gesicht. In diesem Fall ist es das Gesicht von Christian Malheiros in dem brasilianischen Film „Socrates“. Den Kummer, die Lebensfreude und die Hoffnung in diesem Gesicht – und sein Kampf im Großstadt-Dschungel São Paolo, vergisst der Zuschauer nicht mehr. Deshalb geht der Special Jury Award in diesem Jahr an den Schauspieler Christian Malheiros in dem Film „Socrates“.

A jury watches a lot of films. If one thing sticks with you that you don’t forget, it is often a face. In this case it is the face of Christian Malheiros in the Brazilian Film “Socrates“. The worry, the happiness and the hope in this face – and his fight in the big city jungle of São Paolo – will not soon be forgotten by those who see it. That is why this year’s Special Jury Award goes to the actor Christian Malheiros in the film “Socrates”.

SPECIAL MENTION MANNHEIM-HEIDELBERG

für bedeutende Leistungen in der Darstellung, Bildführung, Musik, Montage etc.

Vivian Wu  in „Dead Pigs“ / China

Episodenfilme haben die Eigenschaft ein gesellschaftliches Umfeld, eine Stadt oder ein Land von vielen verschiedenen Facetten zu zeigen. Manchmal gibt es in diesen Filmen aber einen Anker, ein inneres Herz, um den sich alle Geschichten herum positionieren. Die Schauspielerin Vivian Wu, die die Friseurin in dem chinesischen Festival-Beitrag „Dead Pigs“ spielt, zieht alle Aufmerksamkeit, alle Aktionen und alles Licht auf sich. Sie ist eine einmalige und unvergessliche Filmfigur, die von ihrer Schauspielerin kongenial verkörpert wird. Die Special Mention geht in diesem Jahr an die Schauspielerin Vivian Wu aus dem Film „Dead Pigs“.

 

 

DER INTERNATIONALE FILMKRITIKER PREIS

Vergeben durch die FIPRESCI-Jury – Martin Botha (Südafrika), Marina Kostova (Mazedonien) und Martin Wolkner(Deutschland)  – an einen Film aus dem Wettbewerb.

 

Orange Days von Arash Lahooti / Iran

Die FIPRESCI-Jury zeichnet “Orange Days” von Arash Lahooti mit dem Preis der internationalen Filmkritiker aus. Ausgehend von einem Drehbuch, das Lahooti mitgeschrieben hat, fängt der Filmemacher goldrichtig zurückhaltende Schauspielleistungen in einem technisch und formal herausragenden Drama. Er bricht die Form des Kampfes eines Individuums gegen Hindernisse, indem er eine Frau porträtiert, die auf dem ökonomisch angespannten und männlich dominierten Land vom Iran, ihr Schicksal in die eigene Hand nimmt. Die Jury lobt den klassischen Ansatz und die visuelle Geschlossenheit.

The FIPRESCI jury awards “Orange Days” by Arash Lahooti with the International Film Critics‘ Prize. Based on a screenplay co-written by Lahooti, the filmmaker achieves to capture spot-on restrained acting in a technically and formally accomplished drama. Breaking the mould of an individual´s struggle against obstacles, he portrays a woman stubbornly taking her own fate into her hands in economically tense and male-dominated rural areas of Iran. The jury applauds the classical approach and the visual coherence. 

DER PREIS DER ÖKUMENISCHEN JURY
Vergeben durch die Ökumenischen Jury – Dr. Sofia Sjö (Vorsitz/Finnland), Annette Jungen-Rutishhauser (Schweiz), Lothar Strüber (Deutschland), Ildima Nevelös-Forgács (Ungarn) und Dr. Viktor Kókai-Nagy (Ungarn) – an einen Film aus dem Wettbewerb.

Orange Days von Arash Lahooti / Iran

 

Der Preis der Ökumenischen Jury geht an einen Film des Programms, der seine Stärke aus dem Kümmern und Sorgen für andere Menschen zieht, mit dem Risiko, selbst alles zu verlieren, um ein echter Partner zu sein und eine echte Familie gegen alle Widerstände zusammenzuhalten. Mit einfachen aber visuell ansprechenden Bildern, Nahaufnahmen, die die Schauspieler herausstellen und eine Dramaturgie, die Suspense, Tragödie und Humor verbindet, erzählt der Regisseur eine einzigartige und bewegende Geschichte über eine Familie, Liebe, Respekt – und Orangen.

The prize of the ecumenical jury goes to a film about having the strength to care for others when you risk loosing everything and being a true partner and real family in the midst of adversary. With simple but visually appealing images, close-ups that highlight the actors’ talent and a narrative that includes suspense, tragedy and humor the director tells a unique and moving story about family, love, respect, and oranges.

 

 

EMPFEHLUNG DER KINOBETREIBER

für einen Film aus dem Wettbewerb, welcher in den deutschen Kinos veröffentlicht werden sollte. In der Jury sind 2017 Elke Hoffmann, Zoom Kino Brühl, Werner Hoffmann, Zoom Kino Brühl, Lina Winkler, Kinowelt Diessen am Ammersee, und Melanie Hoffmann, Kinokult e.V. Ludwigsburg

“The Fireflies Are Gone” von Sébastien Pilote / Kanada

Was tun, wenn die Zukunft vor einem liegt und man nicht weiß, welche Rolle man im Theater des Lebens einnehmen will? Mit Tritten wie ein junger Mustang kämpft sich Léonie durch den längsten Sommer vor dem Ernst des Lebens. Der Film gewinnt sein Publikum für sich mit Leichtigkeit, subtilem Humor, zarter Melancholie – und dem besten Luftschlagzeuger der Filmgeschichte. Ein Film zum Verlieben!

What to do when the future lies ahead and one doesn’t know what role to take in the theater of life? Taking steps like a young Mustang, Léonie fights through the longest summer before the serious side of life begins. The film wins over its audience with lightness, subtle humor, tender melancholy – and the best air drummer in the history of film. A film to fall in love with!

„Tazzeka“ von Jean-Philippe Gaud / Frankreich & Marokko

Was verbindet uns am meisten mit unserer Heimat? Für Elias sind es die Gewürze und Gerüche aus der Küche der Großmutter. Das moderne Märchen hat alle Zutaten für eine gelungene Komödie, unterhält mit exquisiten Koch-Bildern und liefert en passant einen Beitrag zur Völkerverständigung.

What connects us with our homeland the most? For Elias it is the spices and the smells of his Grandmother’s kitchen. This modern fairytale has all the ingredients for a successful comedy, entertains us with exquisite cooking sequences and delivers a message of understanding among nations along the way.

„Orange Days“ von Arash Lahooti / Iran

Kann sich eine starke Frau im Geschäftsleben einer Männer geprägten Welt durchsetzen? Getragen von einer exzellenten Hauptdarstellerin zeigt der Film mit erzählerisch und cinematographisch hervorragenden Mitteln im malerischen Mikrokosmos eines Orangenhains den gesellschaftlichen Wandel im Iran.

Can a strong woman succeed in business in a world dominated by men? Carried by an excellent lead actress, this film uses the picturesque micro-cosmos of an orange grove – as well as excellent storytelling and cinematography to show us facets of societal change in Iran.

 

 

PUBLIKUMSPREIS MANNHEIM-HEIDELBERG
Für den Film jeden Genres und jeder Länge, der beliebteste Film beim Publikum des Festivals.

 

„Tazzeka“ von Jean-Philippe Gaud / Frankreich-Marokko

Das Programm

des 67. Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg

International Newcomer Competition

7 Weeks
Constanza Figari

Brothers
Ömür Atay

Dead Pigs
Cathy Yan

Giants and the Morning After
Malla Grapengiesser, Per Bifrost & Alexander Ryneus

Jirga
Benjamin Gilmour

Julia and the fox
Inés María Barrionuevo

Orange Days
Arash Lahooti

Pure Land
Zhenyu Sun

Resin
Renzo Carbonera

Roads in February
Katherine Jerkovic

Socrates
Alex Moratto

Tazzeka
Jean-Philippe Gaud

The Fireflies Are Gone
Sébastien Pilote

The Queen of Fear
Valeria Bertuccelli & Fabiana Tiscornia

We Have Forever
Paul Barbeau

International Discoveries

2 Hours from Paris
Virginie Verrier

Adam & Evelyn
Andreas Goldstein

All These Small Moments
Melissa Miller Costanzo

Amateurs
Gabriela Pichler

And Breathe Normally
Ísold Uggadóttir

A Polar Year
Samuel Collardey

April in Autumn
Warren Sulatycky

Blood and the Moon
Tommaso Cotronei

Commander Arian
Alba Sotorra Clua

Cowboy Camembert
Cédric Tanguy & Nicolas Bellenchombre

Eastern Memories
Niklas Kullström & Martti Kaartinen

East of Sweden
Simo Halinen

Fire Lily
Maria Avdjushko

Blue Window
Sheri Hagen

Goliath96
Marcus Richardt

My North is the South
Amanda Puga Salman

Para‘i
Vinicius Toro

RocKabul
Travis Beard

Suleiman Mountain
Elizaveta Stishova

Summer Children
Gudrún Ragnarsdóttir

The Comet
Bård Røssevold

The Return
Kastriot Abdyli

Take it or leave it
Liina Triskina-Vanhatalo

The Distant Barking of Dogs
Simon Lereng Wilmont

The Violin Player
Paavo Westerberg

We are the Others
Jean-Francois Asselin

When Arabs Danced
Jawad Rhalib

Specials

Finland‘s Finest - Short Films from Finland

Girls Go Movie

Vom Lokführer, der die Liebe suchte...
Veit Helmer

The Trial
Askold Kurov

Kinderfilmfest 

Abenteuer Rom
Sandra Vannucchi

Der beste Freund
Karel Janák

Der dritte Wunsch
Vít Karas

Die kleinen Hexenjäger
Raško Miljković

Die unglaubliche Geschichte von der Riesenbirne
Jørgen Lerdam, Philip Einstein Lipski, Amalie NæsbyFick

Fünf Rupien
Piyush Panjuan

Heldenschritte
Henry Rincón

Power to the Children
Anna Kersting

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer
Dennis Gansel