Zentralmuseum

Wer ist Jochen Kuhn?
Mit 15 hat er angefangen zu zeichnen und zu malen und nach dem Abitur ist er zur Hochschule für bildende Künste Hamburg gegangen, geboren wurde er 1954 in Wiesbaden. Aber Hamburg hat ihn geprägt, bis in die Sprechweise hinein. Und eigentlich hat er nur irgendwann entdeckt, dass er über sich beim Zeichnen, oberhalb seiner Schultern, auch eine Filmkamera installieren kann und dann weiter malen. Oft nimmt er Fotografien und verändert sie unterm laufenden Bild, schraffiert, dunkelt oder hellt sie auf. Aber was immer er macht, es wird bei ihm zu einer Kunst, von der ich glaube, dass nur er sie beherrscht, möglicherweise weltweit. Jochen Kuhn ins Schubfach des „Animationsfilmers“ zu versetzen, wäre allein deshalb äußerst fragwürdig, weil seine Filme stets spielfilmartiger ausfallen als mancher Spiel lm. Seit 18 Jahren ist Jochen Kuhn auch Lehrer, Professor an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Ob er es in all den Jahren ab und zu geschafft hat, das weiter zu geben, was ihn ausmacht, weiß ich nicht.

Und was macht ihn aus? Dass seine Bewegtbilderzeichnungen wirken, als wären sie letzte Nacht im Traum entstanden, dass seine Filme ausnahmslos wie ganze Opern wirken, obwohl sie zumeist nur ein paar Minuten lang sind, dass sie immer ironisch sind, von geradezu großartigem Witz, manchmal Sarkasmus, höchst vergnüglich anzuschauen (mit dem sofort dringlichen Wunsch des Betrachters, das jetzt gleich noch mal sehen zu wollen), dass man sie allesamt wie Vorbilder

nehmen könnte für das, was ein sogenannter „richtiger Spiel lm“ schaffen muss: den Zuschauer dermaßen in seinen Bann zu ziehen, dass er gar nicht mehr weiß, wie er aus diesem herbeigezauberten Raum der Erzählung wieder entkommen soll. Kurz: wer sich diese Filmwerke nicht anschaut (und es dauert oft nur eine Viertelstunde!), der weiß gar nicht, was Kino kann und ist ein armer Tropf! Probieren Sie es aus! Ich würde darauf wetten, dass Sie begeistert sein werden.

Für „Der lautlose Makubra“ hat Jochen Kuhn 1980 den Bundesfilmpreis erhalten, für „Brief an die Produzentin“ 1985 den Preis der Jury in Stuttgart, für „Robert Langner, Biografie“ 1990 den Spezialpreis der Jury, für „Die Beichte“ 1990 den Hessischen Filmpreis und eine Nominierung zum Bundesfilmpreis, den er dann 1993 für „Silvester“ erhielt, gefolgt von einem weiteren Preis für „Neulich 1“, einem Preis in Montreal für „Neulich 2“ oder gleich zwei Preisen für „Neulich 3“, dem Deutschen Kurzfilmpreis in Gold für „Sonntags 3“ oder einem weiteren Preis in Montreal für „Immer müder“. „Kurz vor Schluss“ hieß sein Spiel lm 1986, „Fisimatenten“ mit Maximilian Schell, Alexandra Maria Lara und Edgar Selge – die Geschichte eines Malers, der zu einem Banker wird und eines Ministers, der Bilderfälschungen verkauft – kam 1999 in die Kinos. 29 Preise hat Jochen Kuhn bislang gesammelt – und zwar für 30 Filme!! Sein neuestes Meisterwerk, dass wir mit großer Freude präsentieren, heißt „Zentralmuseum“

Zentralmuseum

15 Min., Jochen Kuhn | Deutschland 2016
Originalsprache: Deutsch

Drehbuchautor und Maler sowie Kameramann und Sprecher ist immer Jochen Kuhn selber. Der Film betritt ein Museum, ein modernes natürlich, eines von heute, mit den üblichen Kunstwerken unserer Gegenwart. Der Erzähler Jochen Kuhn betritt es. Weil er dieses Museum, wie er berichtet, neulich geerbt habe. Jetzt schaut er es sich an. Und wenn er das getan hat, geht er wieder. Ändern möchte er nichts. Haben will er es eigentlich auch nicht…

Ahnen Sie schon was? Die Relevanz mancher heutigen Kunstausstellung betreffend? Aber glauben Sie nur ja nicht, dass sich Jochen Kuhn so leicht festmachen ließe. Er hat ja bloß und ganz persönlich „sein“ Museum besucht. Aber mir fallen ganz viele Fachleute ein, denen ich diesen Film unbedingt schenken werde…

Spielzeiten des „Jochen-Kuhn-Programms“:
Zentralmuseum – Sonntag 3 – Die Beichte – Hotel Acapulco – Der Lautlose Makubra – Immer Müde

FSK: Ohne Altersbeschränkung

Mannheim:
Freitag, 10. November, 22:30 Uhr, Kino im Stadthaus II
Samstag, 11. November, 17:00 Uhr, Kino im Stadthaus II
Sonntag, 12. November, 11:00 Uhr, Kino im Stadthaus II

Heidelberg:
Samstag, 11. November, 22:30 Uhr, Kino II
Sonntag, 12. November, 13:00 Uhr, Kino II