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Vom Lokführer, der die Liebe suchte

Ein Stummfilm mit Musik von morbider Eleganz.
90 Min., Deutschland

Wenn sich Zugführer Nurlan mit seinem Güterzug durch die kaukasische Steppe sich den Vororten der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku nähert, führt die Zugstrecke so nah an den Häusern vorbei, dass die BewohnerInnen schon einmal ihre Sachen in Sicherheit bringen müssen, damit der Zug sie nicht erfasst und davon trägt. Eines Tages findet der allein schon durch seinen Beruf zum chronischen Einzelgänger gewordene Nurlan ausgerechnet an seinem letzten Arbeitstag einen traumhaft schönen Büstenhalter, der an seiner Lok klebt. Er nimmt ihn mit in sein einsames Häuschen, bevor er sich dazu entschließt in der großen Stadt nach der Besitzerin zu suchen. Keine Wäscheleine ist vor ihm sicher. Wie im Märchen Aschenputtel die Besitzerin des richtigen Schuhs gesucht wird, so sucht Nurlan hier unter all den schönen Hausfrauen, die ihm begegnen, nach der wahren Trägerin des ominösen BHs. Und wie im Märchen kann es am Ende nur eine geben: die Richtige. Ganz ohne Worte (Wozu reden?) hat der deutsche Filmregisseur Veit Helmer, der auf jede Region von „Absurdistan“ spezialisiert zu sein scheint, einen stillen, kontemplativen und zugleich humorvollen Film über das Leben und die Liebe gedreht. Es ist ein Stummfilm mit Musik von morbider Eleganz. Und in den Ecken der Leinwand fehlt das Licht wie dereinst bei den frühen Stummfilmen … Ein Leckerbissen! (JS/MK)

MANNHEIM
Donnerstag, 15. November, 19:30 Uhr, Kino Atlantis
Samstag, 17. November, 16:00 Uhr, Kino im Stadthaus I
HEIDELBERG
Freitag, 16. November. 16:00 Uhr, Kino I
Sonntag, 18. November, 13:00 Uhr, Kino II

FSK: ab 6 Jahren

Veit Helmer 

drehte den ersten Film im Alter von 14 Jahren. Nach einem Besuch des Regie-Instituts der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Ost-Berlin und der Hochschule für Film und Fernsehen in München, gab Helmer (*1968) mit „Tuvalu“ (1999) sein Spielfilmdebüt. Bei uns ist er mit seinem Film „Vom Lokführer, der die Liebe suchte“ (2018) zu Gast.