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The Distant Barking of Dogs

Das Dorf an der Grenze der Weltgeschichte
90 Min., Dänemark

Wie fühlt sich Krieg an, wenn man zehn Jahre alt ist und nur noch die Großmutter um sich hat? Immer einmal wieder hört man von Ferne Geschützfeuer oder eben das Bellen eines Hundes. Als die Soldaten kamen, sind die Leute nach und nach weggezogen aus dem Dorf in der Nähe der Frontlinie zu den russischen Separatisten in der Ostukraine. Wenn die Lehrerin durchzählt bei der Evakuierungsübung sind nur noch zehn aus Olegs Klasse da. „Ihr redet besser nicht“, sagt sie, „die Luft wird sonst knapp.“ Der Junge und seine Oma und deren Beobachtungen stehen im Mittelpunkt dieser sehr sensiblen und emotional anrührenden Dokumentation. Wieviel Alltag gibt es noch im Krieg? Lohnt es sich zu putzen? Oder muss man es gerade tun, um einen Rest von Menschlichkeit aufrechtzuerhalten? Natürlich sehen wir die zerstöre Welt dieser Menschen und die Großmutter erzählt beim Besuch des Grabes der Mutter des Jungen von ihr. Aber in dieser teilnehmenden Beobachtung sorgt gerade die Normalität des kargen Alltags, um den herum der fast vergessene Krieg sich vollzieht, für die emotionale Dichte des Films, der als eine Sammlung kleiner realer Geschichten viel näher an das große Ganze herankommt, als die üblichen Dokus mit jenem allwissenden Kommentar. (JS)

MANNHEIM
Donnerstag, 22. November, 22:00 Uhr, Kino im Stadthaus I
Freitag, 23. November, 16:00 Uhr, Kino im Stadthaus I
Sonntag, 25. November, 18:00 Uhr, Kino im Stadthaus I
HEIDELBERG
Samstag, 24. November, 21:00 Uhr, Kino II
Sonntag, 25. November, 11:00 Uhr, Kino II

FSK: ab 18 Jahre, da keine FSK

Simon Lereng Wilmont 

schloss 2009 sein Dokumentarfilm-Studium an der National School of Denmark ab. Sein Film „Over jorden, under himlen“ (2008) gewann den Preis als bester Kurzfilm beim Filmfestival Visions du Réel in Lausanne. Bei uns ist er nun mit seinem neuesten Dokumentarfilm „The Distant Barking of Dogs“ (2017) zu Gast.