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08.11.2016

Starke Themen im Programm 
des 65. Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg



Mannheim/Heidelberg, 8. November 2016 – Heute wählt Amerika einen neuen Präsidenten oder zum ersten Mal in der US-Geschichte eine Präsidentin. Wie auch immer die Wahl ausgeht, so reflektiert das junge, amerikanische Independent-Kino die gesellschaftspolitische Situation der Weltmacht messerscharf. Amerika ist allein mit vier Produktionen im Jubiläumsprogramm vertreten, darunter „Calico Skies“ (USA | Wettbewerb) des in Rom geborenen Regisseurs Valerio Esposito erzählt eine wortkarge, tief beeindruckende Geschichte von einem einsamen Mann, dem sein Leben abhandenkommt. „Mekko“ (USA | Discoveries) von Regisseur Sterlin Hajo ist der Name eines einst stolzen Kriegers, eines „Native Americans“. Mekko kommt nach Jahren aus dem Knast, wo er wegen eines Mordes einsaß. Seine Familie will nichts mehr von ihm wissen, hat er doch den Cousin umgebracht. Jetzt hängt er in Tulsa in Oklahoma auf der Straße herum, ohne Chance und Perspektive. Von Gewalt will er nichts mehr wissen, aber man ahnt, dass ihm das nicht gelingen wird. Umstritten sind auch die Filme aus dem Nahen Osten, denn sie treffen auf autoritäre, patriarchalisch geprägte Gesellschaften, für die gesellschaftliche Toleranz und künstlerische Freiheit nicht existieren. „The Dark Wind“ (Irak/Deutschland | Wettbewerb) von Regisseur Hussein Hassan erregt schon von Aufführung allein durch das Thema heftigen Prostest der Eziden: Eine Frau wird während ihrer Verlobung von der „IS“ verschleppt, misshandelt und nach ihrer Befreiung von den ezidischen Patriarchen des eigenen Dorfes verstoßen, weil sie sich „fremden Männern hingab“ – ob unter Zwang oder freiwillig spielt dabei keine Rolle. Regisseur Rachid Bouchareb folgt in „Road to Istanbul“ (Algerien/Frankreich | International Independent Cinema) einer Mutter, deren Tochter zum „IS“ gereist ist, bis in den „Islamischen Staat“. Der Kinobesucher wird Zeuge einer äußerlich wie innerlich erschütternden Reise. Die Regisseurin Nahid Hassanzadeh schließlich erzählt in „Another Time“ (Iran | Wettbewerb) einem Vater, der seine Tochter lieber tot sehen würde, denn schwanger und nicht verheiratet. Ein Blick in die Abgründe patriarchalischer Kultur im Iran. Ein Tabu ganz anderer Art spricht die türkische Regisseurin Çi?dem Sezgin in ihrem Debüt „Wedding Dance“ (Türkei | Wettbewerb) an. Eine ältere Frau liebt einen jüngeren Mann, der verlobt ist, was einen Skandal auslöst, denn was den türkischen Männern erlaubt ist, dürfen türkische Frauen noch lange nicht. 

„Die Filme des Festivals sind Spiegel der Welt“, so Festivaldirektor Dr. Michael Kötz. „Ob nun die Situation in Amerika, die Politik Erdogans oder das Weltbild der Muslime – das Weltkino erzählt davon und wir stellen es zur Diskussion. Ich freue mich darauf!“


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