Die Preisträger des 67. Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg

Foto (v.l.n.r.): Dr. Peter Kurz (OB Mannheim), Ali Mosaffa (Darsteller „Orange Days“), Karelle Tremblay („Hauptdarstellerin „The Fireflies Are Gone“), Theresia Bauer (Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg), Jürgen Odszuck (1. Bürgermeister Heidelberg), Regisseur Jean-Philippe Gaud („Tezzeka“), Festivaldirektor Dr. Michael Kötz, María Monserrat Sánchez Soler (Jury) und Michel Demopoulos (Jury)

Mannheim/Heidelberg, 24. November 2018 – Die Jurys haben getagt, die Stimmen für den Publikumspreis sind ausgezählt. Die Preisträger des 67. Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg stehen fest.

 

Die Internationale Jury des 67. Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg

Liane Jessen, Michel Demopoulos und María Monserrat Sánchez Soler

vergibt den

 

GRAND NEWCOMER AWARD MANNHEIM-HEIDELBERG

Hauptpreis von Mannheim-Heidelberg für den besten Spielfilm geht an

 

Orange Days von Arash Lahooti / Iran

 

Das Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg hat dieses Jahr besondere Frauenfiguren in den Fokus gerückt. Viele dieser Charaktere sind keine klassischen Heldinnen, die eine Heldenreise bestimmen, avancieren und bestehen, sondern sind Heldinnen des Alltags, die ihr Überleben unter widrigen Umständen meistern. Ob Alter, Armut, nicht gelungene Beziehungen oder eine Gesellschaft, die gegen Frauen eingestellt ist, diese Filme beschreiben einen begeisterten Widerstand gegen diese Umstände. Unser Grand Newcomer Award Mannheim-Heidelberg gilt einem Film, in dem eine Frau – nicht jung, nicht schön, nicht freundlich – mit all ihrer Kraft versucht, ihr Leben zu leben – und dies in einem Land, in dem dies Frauen nicht ohne weiteres gestattet ist. Der Realismus dieses Films zeigt uns eine Welt, in der weibliche Träume keinen Platz haben, sondern nur der Kampf gegen das System Möglichkeitsräume für Frauen eröffnet. In diesem Sinn ist dieser Film mit seiner unvergleichlichen Hauptdarstellerin Hadieh Tehrani der Gewinner des diesjährigen Grand Newcomer Awards Mannheim-Heidelberg: „Orange Days“.

The International Filmfestival Mannheim-Heidelberg focused on extraordinary female figures this year. Many of these characters are not classic heroes who set out on a hero’s journey, advance and succeed – no, they are everyday heroes, mastering survival under the most difficult of circumstances. Age, poverty, failed relationships or a society that is organized against women, these films illustrate inspiring resistance against these circumstances. Our Grand Newcomer Award Mannheim-Heidelberg goes to a film in which a woman – not young, not beautiful, not friendly – tries with all her might to change her life – in a country in which woman are not necessarily allowed to do so. The realism of this film shows us a world in which the dreams of women have no place – but instead only by fighting against the system can possibilities be opened for women. In this light, this film with its outstanding leading lady Hadieh Tehrani, is the winner of this year’s Grand Newcomer Award Mannheim-Heidelberg: “Orange Days“.

 

TALENT AWARD MANNHEIM-HEIDELBERG

für den besten unkonventionell erzählten Spielfilm geht an

 

“The Fireflies Are Gone” von Sébastien Pilote / Kanada

 

Der Talent Award Mannheim-Heidelberg geht an einen unkonventionell erzählten Spielfilm. Unter „unkonventionell erzählt“ sollten nicht nur schwierige Arthouse-Dramaturgien fallen, die ihre Geschichte verrätselt erzählen, sondern auch solche, die „the good old story“ anders erzählen. Dieses Jahr fiel die Wahl auf einen Film, der seine ungewöhnliche Narration an einem sehr normalen Gegenstand bezieht – die romantische Liebe zwischen Mann und Frau. Der Film vermeidet diese Möglichkeit, stattdessen erzählt er sehr elegant die Möglichkeiten und Tiefen einer Freundschaft zwischen Mann und Frau. Dies zu zeigen, macht den Film außerordentlich in der Bewältigung seines Coming of Age. Der Talent Award geht dieses Jahr an “The Fireflies Are Gone“ von Sébastien Pilote.

The Talent Award Mannheim-Heidelberg goes to an unconventionally told film. By „ unconventionally told “ we don’t simply mean difficult Arthouse dramaturgy, which tells the story in an enigmatic manner, but instead also tells “the good old story” in a different way. This year we have chosen a film whose unusual narrative describes a very normal thing – the romantic love between a man and a woman. This film sidesteps this opportunity, instead it speaks elegantly of the opportunities and downs of a friendship between a man and a woman. Showing this makes the film exceptional in the way it masters a coming of age. This year’s Talent Award goes to “The Fireflies Are Gone“ by Sébastien Pilote.

 

SPECIAL JURY AWARD MANNHEIM-HEIDELBERG

für eine außergewöhnliche Leistung

 

Christian Malheiros in “Socrates“ / Brasilien

 

Eine Jury sieht viele Filme. Wenn unter diesen Eins bleibt, das man nicht vergisst, ist es meist ein Gesicht. In diesem Fall ist es das Gesicht von Christian Malheiros in dem brasilianischen Film „Socrates“. Den Kummer, die Lebensfreude und die Hoffnung in diesem Gesicht – und sein Kampf im Großstadt-Dschungel São Paolo, vergisst der Zuschauer nicht mehr. Deshalb geht der Special Jury Award in diesem Jahr an den Schauspieler Christian Malheiros in dem Film „Socrates“.

A jury watches a lot of films. If one thing sticks with you that you don’t forget, it is often a face. In this case it is the face of Christian Malheiros in the Brazilian Film “Socrates“. The worry, the happiness and the hope in this face – and his fight in the big city jungle of São Paolo – will not soon be forgotten by those who see it. That is why this year’s Special Jury Award goes to the actor Christian Malheiros in the film “Socrates”.

 

SPECIAL MENTION MANNHEIM-HEIDELBERG

für bedeutende Leistungen in der Darstellung, Bildführung, Musik, Montage etc.

 

Vivian Wu  in „Dead Pigs“ / China

 

Episodenfilme haben die Eigenschaft ein gesellschaftliches Umfeld, eine Stadt oder ein Land von vielen verschiedenen Facetten zu zeigen. Manchmal gibt es in diesen Filmen aber einen Anker, ein inneres Herz, um den sich alle Geschichten herum positionieren. Die Schauspielerin Vivian Wu, die die Friseurin in dem chinesischen Festival-Beitrag „Dead Pigs“ spielt, zieht alle Aufmerksamkeit, alle Aktionen und alles Licht auf sich. Sie ist eine einmalige und unvergessliche Filmfigur, die von ihrer Schauspielerin kongenial verkörpert wird. Die Special Mention geht in diesem Jahr an die Schauspielerin Vivian Wu aus dem Film „Dead Pigs“.

 

 

DER INTERNATIONALE FILMKRITIKER PREIS

Vergeben durch die FIPRESCI-Jury – Martin Botha (Südafrika), Marina Kostova (Mazedonien) und Martin Wolkner (Deutschland)  – an einen Film aus dem Wettbewerb.

 

Orange Days von Arash Lahooti / Iran

 

Die FIPRESCI-Jury zeichnet “Orange Days” von Arash Lahooti mit dem Preis der internationalen Filmkritiker aus. Ausgehend von einem Drehbuch, das Lahooti mitgeschrieben hat, fängt der Filmemacher goldrichtig zurückhaltende Schauspielleistungen in einem technisch und formal herausragenden Drama. Er bricht die Form des Kampfes eines Individuums gegen Hindernisse, indem er eine Frau porträtiert, die auf dem ökonomisch angespannten und männlich dominierten Land vom Iran, ihr Schicksal in die eigene Hand nimmt. Die Jury lobt den klassischen Ansatz und die visuelle Geschlossenheit.

The FIPRESCI jury awards “Orange Days” by Arash Lahooti with the International Film Critics‘ Prize. Based on a screenplay co-written by Lahooti, the filmmaker achieves to capture spot-on restrained acting in a technically and formally accomplished drama. Breaking the mould of an individual´s struggle against obstacles, he portrays a woman stubbornly taking her own fate into her hands in economically tense and male-dominated rural areas of Iran. The jury applauds the classical approach and the visual coherence. 

 

 

DER PREIS DER ÖKUMENISCHEN JURY
Vergeben durch die Ökumenischen Jury – Dr. Sofia Sjö (Vorsitz/Finnland), Annette Jungen-Rutishhauser (Schweiz), Lothar Strüber (Deutschland), Ildima Nevelös-Forgács (Ungarn) und Dr. Viktor Kókai-Nagy (Ungarn) – an einen Film aus dem Wettbewerb.

 

Orange Days von Arash Lahooti / Iran

 

Der Preis der Ökumenischen Jury geht an einen Film des Programms, der seine Stärke aus dem Kümmern und Sorgen für andere Menschen zieht, mit dem Risiko, selbst alles zu verlieren, um ein echter Partner zu sein und eine echte Familie gegen alle Widerstände zusammenzuhalten. Mit einfachen aber visuell ansprechenden Bildern, Nahaufnahmen, die die Schauspieler herausstellen und eine Dramaturgie, die Suspense, Tragödie und Humor verbindet, erzählt der Regisseur eine einzigartige und bewegende Geschichte über eine Familie, Liebe, Respekt – und Orangen.

The prize of the ecumenical jury goes to a film about having the strength to care for others when you risk loosing everything and being a true partner and real family in the midst of adversary. With simple but visually appealing images, close-ups that highlight the actors’ talent and a narrative that includes suspense, tragedy and humor the director tells a unique and moving story about family, love, respect, and oranges.

 

 

EMPFEHLUNG DER KINOBETREIBER

für einen Film aus dem Wettbewerb, welcher in den deutschen Kinos veröffentlicht werden sollte. In der Jury sind 2017 Elke Hoffmann, Zoom Kino Brühl, Werner Hoffmann, Zoom Kino Brühl, Lina Winkler, Kinowelt Diessen am Ammersee, und Melanie Hoffmann, Kinokult e.V. Ludwigsburg

 

“The Fireflies Are Gone” von Sébastien Pilote / Kanada

Was tun, wenn die Zukunft vor einem liegt und man nicht weiß, welche Rolle man im Theater des Lebens einnehmen will? Mit Tritten wie ein junger Mustang kämpft sich Léonie durch den längsten Sommer vor dem Ernst des Lebens. Der Film gewinnt sein Publikum für sich mit Leichtigkeit, subtilem Humor, zarter Melancholie – und dem besten Luftschlagzeuger der Filmgeschichte. Ein Film zum Verlieben!

What to do when the future lies ahead and one doesn’t know what role to take in the theater of life? Taking steps like a young Mustang, Léonie fights through the longest summer before the serious side of life begins. The film wins over its audience with lightness, subtle humor, tender melancholy – and the best air drummer in the history of film. A film to fall in love with!

„Tazzeka“ von Jean-Philippe Gaud / Frankreich & Marokko

 

Was verbindet uns am meisten mit unserer Heimat? Für Elias sind es die Gewürze und Gerüche aus der Küche der Großmutter. Das moderne Märchen hat alle Zutaten für eine gelungene Komödie, unterhält mit exquisiten Koch-Bildern und liefert en passant einen Beitrag zur Völkerverständigung.

What connects us with our homeland the most? For Elias it is the spices and the smells of his Grandmother’s kitchen. This modern fairytale has all the ingredients for a successful comedy, entertains us with exquisite cooking sequences and delivers a message of understanding among nations along the way.

„Orange Days“ von Arash Lahooti / Iran

Kann sich eine starke Frau im Geschäftsleben einer Männer geprägten Welt durchsetzen? Getragen von einer exzellenten Hauptdarstellerin zeigt der Film mit erzählerisch und cinematographisch hervorragenden Mitteln im malerischen Mikrokosmos eines Orangenhains den gesellschaftlichen Wandel im Iran.

Can a strong woman succeed in business in a world dominated by men? Carried by an excellent lead actress, this film uses the picturesque micro-cosmos of an orange grove – as well as excellent storytelling and cinematography to show us facets of societal change in Iran.

 

 

 

PUBLIKUMSPREIS MANNHEIM-HEIDELBERG
Für den Film jeden Genres und jeder Länge, der beliebteste Film beim Publikum des Festivals.

 

„Tazzeka“ von Jean-Philippe Gaud / Frankreich-Marokko

 

Das 67. Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg findet vom 15. – 25. November 2018 statt. Spielorte sind das Stadthaus und das Kino Atlantis in Mannheim und zum ersten Mal der Messplatz in Heidelberg.