Die Preisträger des 5. Festival des deutschen Films 2009
Die Jury 2009 bestand aus Susann Schimk, Vadim Glowna, Dr. Klaus Kreimeier
Der FILMKUNSTPREIS 2009, dotiert mit 50.000 Euro, geht an den Film
"Weitertanzen"
Regie: Friederike Jehn . Produktion: Alexander Funk, Ludwigsburg, Gambit Film und Fernsehproduktion, Michael Jungfleisch, Ludwigsburg, Florian Rothenberger, München
Begründung der Jury (vorgetragen von Dr. Klaus Kreimeier):
Wagemutig und formbewusst hat sich die Regisseurin großen Themen gestellt: den Anfechtungen der Liebe durch Misstrauen und Selbstbetrug; der Identitätssuche in einer orientierungslosen Gesellschaft: der bürgerlichen Kultur und ihrer Auflösung in Spießertum, Formlosigkeit und hohlen Ritualen. Eine Hochzeitsfeier, traditionell eine Maschinerie eingeübter Konventionen, zerbricht in ihre Teile, die Routine des Gesellschaftsspiels zerstört sich selbst. Die Geschichte dieses Scheiterns gestaltet Friederike Jehn zu einer bilderreichen Metapher, die der Regiekunst, den Schauspielern und der Kamera eine ästhetische Balance auf des Messers Schneide abverlangt. Mit bewundernswerter Sicherheit lässt die Regisseurin ihre Figuren zwischen Realität und Surrealität, Romantik und romantischer Ironie, Tragik und Groteske, Traum und Albtraum agieren, hält sie das prekäre Spiel am Rande des Horrors subtil in der Schwebe. Ein Stück opulentes Kino, voller Sinnlichkeit und leiser Trauer - mit filmischer Präzision, Liebe zum Detail und viel Verstand gemacht.
Die BESONDERE AUSZEICHNUNG
der Jury 2009 beim Festival des deutschen Films gilt den Filmen:
"Diese Nacht"
Regie: Werner Schroeter . Produktion: Filmgalerie 451, Berlin
Begründung der Jury (vorgetragen von Vadim Glowna):
Lieber Werner Schroeter, wir ehren heute mit einer "Besonderen Auszeichnung" Deinen Film "Diese Nacht", der im Wettbewerb lief. Wir ehren aber auch, meine Damen und Herren, einen großen Regisseur für sein gewaltiges Werk. Von "Eika Katappa", der 1969 im Rahmen der Mannheimer Filmwoche mit dem Josef-von-Sternberg-Preis ausgezeichnet wurde, bis "Chien de Nuit", der 2008 auf den Filmfestspielen in Venedig geehrt wurde, liegt ein langer Weg immer wieder innovativen Schaffens. Es umfasst über 30 Spielfilme und über 70 Opern- und Theaterinszenierungen. Daneben die Tätigkeit als Filmdozent und in diesem Jahr in München eine Ausstellung seiner fotografischen Arbeiten. Lieber Werner, wir, die Jury und das Publikum hoffen erwartungsvoll auf noch einige wundervolle Filme von Dir, voller Wunder: Lust und Angst, Gewalt und Zärtlichkeit, Liebe und Tod, Musik und Erlösung. Möge deine Leidenschaft nie erlöschen.
und
"Mitte Ende August"
Regie: Sebastian Schipper . Produktion: Film 1 GmbH & Co KG, Berlin
Begründung der Jury (vorgetragen von Susann Schimk):
Ich bin die dritte Säule der diesjährigen Jury und wenn es hier nach der Ludwigshafener Position von 2005 geht, dann möchte ich den herausragendsten Film des Wettbewerbs auszeichnen. Der Film, den ich meine, kann ganz viel, er kann alles. Ich bin unmittelbare Zielgruppe und es hat z B. Spaß gemacht, den Film mehrmals zu sehen.
Ich lobe das Handwerk, ich lobe das Schauspiel-Ensemble und ich lobe den gesamten cineastischen Weg des gekonnten Erzählens. Ich wünsche dem Film noch ganz viele Kinoaugen. Möge dieses Ludwigshafener Lob dazu beitragen. Es ist ein Film gegen spießiges Konsenskino, im besten Sinne wild, jung und gefährlich - "Mitte Ende August" von Sebastian Schipper.
PUBLIKUMSPREIS 2009 ex aequo an:
"Der Rote Punkt"
Regie: Marie Miyayama . Produktion: Münchner Filmwerkstatt e.V., Markus Blankemeyer, München
und
"Ihr könnt euch niemals sicher sein"
Regie: Nicole Weegmann . Produktion: Cologne Film GmbH, Köln
Endspurt - Noch zwei Tage Filme, Stars und Strand
Nicolette Krebitz Überraschungsgast beim Festival des deutschen Films
Gestern als Überraschungsgast auf der Festivalinsel eingetroffen: Nicolette Krebitz reiste kurzfristig an, um als Hauptdarstellerin neben Jan Plewka mit dem Team von "Liebeslied" das öffentliche Bühnengespräch für Publikum und Presse zu machen.
Geht ab wie ein "Torpedo" - Der rasante Debutfilm der 16-jährigen Helene Hegemann beim Festival des deutschen Films
Jan Plewka zu Gast beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen, zu sehen im Wettbewerb als Darsteller in "Liebeslied"
Jan Plewka, eine der "bemerkenswertesten Stimmen der deutschen Popmusik" (Tagesspiegel) wird im Juni 2009 zu Gast beim Festival des deutschen Films auf der Parkinsel Ludwigshafen sein. Er stellt hier im Wettbewerb das Filmmusical
"Liebeslied" vor, in dem er als Hauptdarsteller an der Seite von Nicolette Krebitz zu sehen sein wird.
Plewka wird bei den Vorstellungen am 22. Juni und am 23. Juni anwesend sein und sich im Anschluss beim öffentlichen Filmgespräch auf der Festivalbühne den Fragen des Publikums stellen.
Ikone des deutschen Films - Hannelore Elsner wird am 21. Juni mit dem Preis für Schauspielkunst des Festival des deutschen Films ausgezeichnet

Hannelore Elsner
Weltpremiere "Frau Böhm sagt Nein" auf dem Festival des deutschen Films am 19. Juni 2009
Regisseurin Connie Walther und Darstellerinnen Senta Berger und Lavinia Wilson sind zu Gast

Szene aus "Frau Böhm sagt Nein"
Sommerkomödie über Liebe, Lust und Leid: "Haus und Kind" von Andreas Kleinert eröffnet Festival des deutschen Films in Ludwigshafen
Mit dem neuen Coup des bewährten Teams um Produzenten-Duo Peter Hartwig und Cooky Ziesche und Drehbuchmeister Wolfgang Kohlhaase ("Whisky mit Wodka", "Solo Sunny") wird am 18. Juni 2009 das 5. Festival des deutschen Films eröffnet: Andreas Kleinerts "
Haus und Kind" ist eine sarkastische Sommerkomödie darüber, wie selten und schwer die Liebe gelingt, die gleichzeitig den Wettbewerb um den mit 50.000 Euro dotierten Filmkunstpreis einläutet.
Kreativ, clever, kritisch: Jury-Trio Vadim Glowna, Klaus Kreimeier und Susann Schimk entscheiden über Filmkunstpreis 2009
Ein bisschen anders als die andern...
Wer im Juni 2009 zum fünften Festival des deutschen Films fährt, der landet auf einer Insel im Rhein, einer Parkinsel mit hohen uralten Bäumen, die zur Stadt Ludwigshafen gehört. Draußen die Schiffe, am Ufer die Stimmen der Menschen. Liegestühle und kühle Getränke.
Es sei ein magischer Ort, ein Ort der Verzauberung. Sie hätten noch kein Festival erlebt, das in einer so wunderbaren Umgebung stattfindet, erklärt die Jury im Juni 2007.
In einer weitläufigen Zeltlandschaft mit Bars, Restaurants und Strandzelten tummeln sich über 20.000 Menschen der Metropolregion Rhein-Neckar. Dazwischen Kamerateams und mit Stiften und Mikros bewaffnete Journalisten. Denn auch die überregionale, nationale Presse begreift das Festival längst als wichtiges Branchenereignis. Vor allem ist es die Atmosphäre, für die alle schwärmen, die hier schon zu Gast waren: von Volker Schlöndorff bis Christian Petzold, Klaus Maria Brandauer bis Nina Hoss.
Rund 20 der besten neuen deutschen Filme präsentiert das Festival - oft als wunderbare Gelegenheit für Verleiher und Produzenten, die Wirkung ihrer Filme zu erfahren. Auf kaum einem anderen Festival dieser Größenordnung gibt es über 30 Filmgespräche im prall gefüllten Strandzelt, an dem Tausende von Menschen bis spät in die Nacht so lebhaft teilnehmen. Die Filmregisseure schwärmen von der Intensität, in der ihre Filme aufgenommen werden.
Das Festival des deutschen Films ist ein bisschen anders als die andern. Es liebt mutige Künstler, neugierige Zuschauer und kluge Gespräche. Wie ein Magnet zieht diese in der deutschen Filmlandschaft (wieder) ganz und gar neue Position die Filmautoren, Künstler und Zuschauer an.
»Ein magischer Ort. Wir haben noch kein Festival erlebt, das in einer ähnlichen Umgebung stattfindet. Wenn man an einen Ort wie diesen kommt, stellt sich eine Verzauberung ein, die mit dem Wesen des Kinos zu tun hat. Wir denken, dass dieses Festival das missing link sein kann, sein wird und sein muss zwischen dem Ophüls Festival im Januar und den Hofer Filmtagen im Oktober,
also das große wunderbare Sommerfestival des deutschen Films, und wir denken auch, dass es sich als solches auf Dauer etablieren wird.«
Statement der Jury bei der Preisverleihung im Juni 2007. Die Jury bestand aus der Schauspielerin Franziska Petri, dem Kritiker Willi Winkler und dem Regisseur Hans Christoph Blumenberg.
Das Festival des deutschen Films hat zwei wichtige Sektionen: den
Wettbewerb um den Filmkunstpreis
und die Reihe
Lichtblicke
Beide Reihen zeigen neue deutsche Filmproduktionen von herausragender Qualität, Kino mit individueller Handschrift, Filme, wo jemand auch mal Kopf und Kragen riskiert. Das Festival legt keinen Schwerpunkt auf den Nachwuchs allein. Wir präsentieren deutsche Filme, die in ihrer Art eigensinniges Autorenkino der Gegenwart sind unabhängig davon, ob der Autor ein Newcomer oder arriviert ist.